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Fritz Brinckmann (Ben Becker)

Freitag27Jan

»Apokalypse« -
Ben Becker liest Joseph Conrads »Herz der Finsternis«


20:00 Uhr | Großer Saal

Ben Becker liest »Herz der Finsternis« von Joseph Conrad

Es gibt nur wenige Schauspieler, die der Originalerzählung von Francis Ford Coppolas filmischen Meisterwerk »Apocalypse Now« eine Stimme geben können. Ben Becker ist dafür die Idealbesetzung. Nicht nur, weil er den Namen des Autors Joseph Conrad als Tattoo auf seinem linken Arm unter der Haut trägt, sondern auch, weil er von der Reise ins Herz der Finsternis mehr als jeder andere zu wissen scheint. Der Ausnahmeschauspieler taucht ein in die Rolle des desillusionierten Kapitäns Marlow, der in einem kleinen Dampfschiff flussaufwärts in die feindliche Umgebung des tückischen Kongo und in einen dystopischen Albtraum hineinsteuert.

Der Verlust aller Orientierung und die unheilvolle Stille des Urwalds führen den Seemann in eine andere Dimension, die Erde blickt einen »…mit rachgieriger Miene an. (…) Die Erde schien unirdisch.« Die äußeren Gefahren und andere Hinweise erschüttern langsam die Zuversicht, Zweifel verdichten sich: »Irgend etwas stimmte nicht stromaufwärts. Doch was – und wie vieles?« Becker verlangt sich und dem Publikum alles ab, denn es ist keine leichte Kost, die der polnisch-britische Schriftsteller Joseph Conrad, (1857-1924) im Jahr 1899 als Roman über den grausamen Elfenbein- und Sklavenhandel in Schwarzafrika veröffentlicht  und der ihn zu einem der wichtigsten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts gemacht hat.

In Beckers APOKALYPSE wird nicht nur der englische Kolonialismus und Rassismus am Ende der Herrschaft Queen Victorias angeklagt, sondern auch die gesamte europäische Welt, die seit dem 15. Jahrhundert Reichtum und Einfluss auf Kosten von Ausbeutung, Krieg, Gewalt und Flucht erlangt hat.

In der Originalerzählung, die für Coppolas mehrfach Oscar-prämierten Film »Apokalypse Now« über den Vietnam-Krieg Pate stand, heuert der englische Kapitän Marlow auf dem Dampfer einer belgischen Handelsgesellschaft im Kongo an. Seine Mission: den schwarzen Fluss hinaufzufahren, ins Herz des afrikanischen Kontinents, wo ein Handelsagent namens Kurtz sich ein eigenes Reich geschaffen hat, in dem er Gott spielt. Diesen Mann soll Marlow finden und in die Zivilisation zurückbringen, doch stattdessen zieht ihn Kurtz immer tiefer hinein in das Grauen.

Der anklagende und düsterere Text ist aktueller denn je und stellt eine umfassende Kapitalismuskritik dar. Die Kälte und Empathielosigkeit der Kolonialherren gegenüber den Ureinwohnern, den ,»Kannibalen«, sowie deren unglaubliches Leid, sind erschütternde Schilderungen, mit denen Ben Becker von der ersten Minute an sein Publikum zu fesseln vermag. Kein Szenenapplaus, kein Aufatmen und kein Lacher unterbrechen Beckers außergewöhnliche und ausdrucksstarke Interpretation, stattdessen entlässt er sein Publikum am Ende aufgewühlt, nachdenklich und auch erleichtert.

Becker performt den so wichtigen und faszinierenden Text seines Lieblings-Schriftstellers, indem er sein gesamtes schauspielerisches Können einbringt und schafft auf der Bühne eine äußerst dichte und zugleich stark berührende Atmosphäre, die durch die Reduziertheit des Textes und seine direkte Ansprache an das Publikum durch Mark und Bein geht und ohne weiteres an Coppolas bildgewaltige Interpretation heranreicht.

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